Ratgeber · Inkasso oder selbst mahnen
Inkasso oder selbst mahnen? Der ehrliche Vergleich
Stand: Juni 2026
Was die beiden Wege unterscheiden
Beim klassischen Inkasso gibst du deine Forderung aus der Hand: Ein Büro zieht sie für dich ein - gegen eine Provision oder, beim Forderungskauf, mit einem Abschlag auf den Betrag. Beim Kunden landet ein Schreiben mit fremdem Briefkopf. Beim Selbermahnen bleibst du Gläubiger deiner eigenen Rechnung: Du schreibst die Mahnung, weist die Verzugszinsen aus und kannst, falls nötig, einen gerichtlichen Mahnbescheid beantragen. Es gibt keine Abtretung und keinen Verkauf - die eigene Forderung durchzusetzen ist keine erlaubnispflichtige Rechtsdienstleistung und darf von jedem selbst erledigt werden.
Was bei dir bleibt - und was nicht
Der Unterschied wird konkret, wenn man die fünf Punkte nebeneinanderlegt, an denen sich Inkasso und Selbermahnen am stärksten trennen:
| Inkasso | Selbst mahnen | |
|---|---|---|
| Forderung | wird abgetreten oder verkauft | bleibt bei dir |
| Verzugszinsen | fließen teils in die Gebührenkette | stehen vollständig dir zu |
| Kosten | Provision oder Abschlag auf den Betrag | eigener Aufwand, ggf. Gerichtsgebühr |
| Kundenbeziehung | fremder Briefkopf, wirkt hart | eigener, sachlicher Ton |
| Entscheidung | liegt beim Büro | bleibt bei dir |
Unter dem Strich heißt das: Solange eine Forderung klar und unbestritten ist, gibst du beim Inkasso einen Teil deines Geldes und die Kontrolle ab, ohne dafür einen rechtlichen Vorteil zu gewinnen, den du nicht selbst hättest.
Wann Inkasso oder Anwalt doch sinnvoll ist
Es gibt Konstellationen, in denen der Weg über ein Inkassobüro oder einen Anwalt sinnvoll ist. Wird eine Forderung bestritten - etwa wenn der Schuldner einem Mahnbescheid widerspricht - beginnt ein streitiges Verfahren, in dem rechtliche Bewertung gefragt ist. An dieser Grenze ist der Hand-off an einen Anwalt der saubere Weg. Auch wenn sehr viele Forderungen parallel anfallen und intern schlicht die Zeit fehlt, kann das Auslagern die ruhigere Variante sein. Für den Normalfall der klaren, offenen Rechnung bleibt Selbermahnen der direktere und meist günstigere Weg.
Rechne nach, was der Weg kostet
Kwitto begleitet dich durch jeden Schritt - RDG-konform. Der Mahnbescheid-Kosten-Rechner zeigt dir die Gerichtsgebühr für deinen Forderungsbetrag, bevor du den nächsten Schritt gehst.
Häufige Fragen
Ist Inkasso teurer als selbst mahnen?
In der Regel ja. Inkassobüros arbeiten gegen eine Provision oder kaufen die Forderung mit Abschlag an - in beiden Fällen geht ein Teil des Betrags in die Gebührenkette. Beim Selbermahnen fällt nur der eigene Aufwand und gegebenenfalls die Gerichtsgebühr für den Mahnbescheid an, die der Schuldner bei Verzug grundsätzlich zu tragen hat.
Wer bekommt die Verzugszinsen?
Wer selbst mahnt, bleibt Gläubiger der eigenen Forderung. Die Verzugszinsen nach §288 BGB und - bei Geschäftskunden - die 40-Euro-Pauschale stehen damit dem Gläubiger zu und landen vollständig bei ihm. Gibt man die Forderung an ein Inkassobüro ab, wandert ein Teil dieser Beträge in die Provision oder den Forderungskauf.
Wann lohnt sich Inkasso doch?
Inkasso oder ein Anwalt werden vor allem dann interessant, wenn eine Forderung bestritten wird, der Schuldner einem Mahnbescheid widerspricht oder sehr viele Fälle parallel anfallen, für die intern keine Zeit bleibt. Sobald aus dem Mahnverfahren ein streitiges Verfahren wird, ist rechtliche Bewertung gefragt - das ist die Grenze zum Hand-off an einen Anwalt.
Brauche ich für das Selbermahnen einen Anwalt?
Nein. Die eigene Forderung durchzusetzen ist keine erlaubnispflichtige Rechtsdienstleistung - das darf jeder ohne besondere Zulassung. Mahnung und gerichtlicher Mahnbescheid lassen sich selbst erledigen. Ein Anwalt wird erst dann zum sauberen Weg, wenn die Forderung bestritten wird und ein streitiges Verfahren beginnt.
Das ist allgemeine Information, keine Rechtsberatung. Kwitto ist ein Software-Werkzeug, das vorbereitet und rechnet - es bewertet deinen Einzelfall nicht und tritt nicht für dich auf.